Der Chami

Am nächsten morgen war ich zu neuen Taten aufgelegt. Nicht so mein Boss. Er war nach seinem Ausflug in den Keller auf Computertaten fixiert.

Als ich ihn bat, mir einen Auftrag zu erteilen, wies er mich an, meinem Bericht dem Computer zu übergeben. Damit hatte er mich bis zum Mittagessen vom Hals.

Beim Kaffee wagte ich einen neuen Vorstoß.

„Ich habe einen Auftrag für Sie. Treiben Sie Paul Tank auf!”

„Paul Tank?”

Suchen sie im Computer sagte er und verschwand.

Ich machte mich an die Arbeit.

Paul Tank, so fand ich heraus, ist ein Chami.

Und auch dass fand ich im iii: 

Chami kommt von Chamäleon. Chamis sind sehr wandlungsfähig und Cybride der Zweifelhaften und Terraner.

Zum einen haben sie selber sieben Gestalten zur Auswahl (die sie auch zur Regeneration nutzen, wenn auch manchmal die Gestalt den Chami aussucht.

Zu zweiten hat ein Chami das zwanghafte Verlangen sich seiner Umgebung anzupassen. Stellt er sich in den Fanblock eines Fußballstadions, schreit und singt er nicht nur mit den anderen mit, sondern ist auch mit Schal, Mütze und Fahne ausgerüstet. Von der Fahne aus seinen Mund gar nicht zu reden. Beim Empfang des Oberbürgermeisters wird er der eleganteste Gast von allen sein. Das ist als Detektiv sehr praktisch. Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht vor allen anderen Leuten von einem besoffenen Fußballfan in einen vornehm aussehenden Herrn verwandelt.

Zum dritten kann ein Chami die Gestalt eines anderen übernehmen.

Der Übernommene liegt in dieser Zeit in irgendeiner Ecke und schläft den Schlaf der Gerechten und kann sich hinterher an nichts mehr erinnern.

Wenn Sie Lücken vom letzten Empfang beim Oberbürgermeister haben, ihre Parteifreunde Sie aber auf die Ihre profunden Kenntnisse über die ägyptische Geschichte zur Zeit Cheops ansprechen, die sie während des Empfanges von sich gegeben haben sollen, schieben Sie das nicht auf den vielen Alkohol.

Ich wurde nicht recht schlau aus dem, was ich aus dem Computer herausholte und fluchte vor mich hin. Vor allem wo sollte ich Paul Tank suchen.

„Haben Sie Probleme?” fragte Madam Paula und erhob sich in ihrem Korb. Sie bewegte sich elegant auf meinen Schreibtisch zu und sprang hinauf. Sie tippte mit ihrer Pfote auf eine Taste und der Bildschirm gab noch einige Informationen mehr frei.

„Ach so,” sagte ich, erhob mich und ging zum Fahrstuhl. Dass heißt diesmal war es ein Rolltreppe, die direkt zum Dachboden führte.

Die Zweifelhafte Katze folgte mir zu einer Bodenkammer. Der Schimpanse hinterdrein.

Ich kam mir einigermaßen blöd vor, als ich vor einem Topf mit einer grauen Masse darin: „Paul Tank?” sagte, obwohl nur eine Katze und ein Schimpanse im Raum waren.

„Kann man sich nicht mal in Ruhe regenerieren?” sagte die graue Masse.

„Cäsar Bär möchte Sie sprechen!” sagte ich.

Die Masse kam aus dem hervor und wurde zu einer bleichen großen Gestalt. Das Gesicht war so blutleer wie die eines Vampirs. Paul Tank trug einen alten zerknautschten Trenchcoat.

„Ich heiße Paul, und wie heißt Du?” er reichte mit der Hand.

„Balduin,” sagte ich und drückte die blassen Finger.

„Wo ist der Alte?”

„Im Garten!”

„Wozu dann der Aufriss?” fragte Paul sich selbst.

Er schrumpfte zusammen und wurde zu einem Hund. Der Hund sah allerdings mehr wie ein Werwolf aus.

„Hallo, Madame Paula, wie geht’s denn so?” sagte Hund, als entdeckte er die Zweifelhafte erst jetzt. Dann sagte er noch: „Fanio, Du darfst ja nicht fehlen!”

Er begab sich zur Rolltreppe, die hatte sich allerdings in einen leeren Schacht verwandelt. „Oh ein Antigraph“ sagte er, sprang hinein und schwebte hinab. Wir folgten ihm zum Garten.

„Haben Sie etwas dagegen wenn ich mich noch ein wenig entspanne? Ich bin noch nicht lange in der Regeneration.” fragte Paul den Kobold.

„Bitte!” sagte Bär.

Der Hund schrumpfte zu einem Frosch.

„Ich brauche Sie drei nicht mehr!” verabschiedete Bär Madame Paula, Fanio und mich.

„Ach, wieder mal geheimnisvoll?” maulte die Katze.

Wir begaben uns ins Haus.

„Machen Sie sich darauf gefasst, in den nächsten Tagen hier rumzugammeln und nichts zu tun. Wenn Bär Paul ruft und alle anderen Detektive nicht am Gespräch beteiligt, tut sich ein paar Tage bis Wochen gar nichts.”

So war’s dann auch.

Bär saß da und spielte am Computer.

Madame Paula schlief in Ihrem Korb. Fanio döste im Regal Ich saß hinter meinen Schreibtisch und drehte Däumchen.

Ab und zu kamen die Wichtel vor bei und klönten.

Ich ging auch mal zu Dorothea in den Garten oder zu Cjue in den Keller. Auch in der Küche bei Franz war ich öfter zu finden. Wir waren alle genervt.

Porbars, Achille, Madame Paula und ich waren von Bärs Verhalten, die anderen Hausbewohner zusätzlich von mir. Das heißt einer behielt die Ruhe: Fanio!

Hin und wieder klingelte das Telefon. Wenn es unser Klient, die Polizei oder die Staatsanwältin war, hatte ich sie abzufertigen. Hin und wieder sprach ich auch mit Grünfinger und Hedwig.

Mit Paul sprach ich nicht. Der sprach nur mit Bär. Der Kobold hörte ihm zu, grunzte ein paar Mal und sagte dann:

„Machen Sie weiter!”

Er machte dann auch weiter: Mit Computer spielen. Am Donnerstag der kommenden Woche maulte ich so, das sich Bär nach dem er aus dem Garten kam, einen Auftrag für mich ausdachte.

Es ging um Riski Lopp.

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