Die Baumaschinen

Erzählt von: Kristina Mach

Auf Marios Karte waren Baufahrzeuge eingezeichnet. Wir folgten dem Plan.

karte aus der erbschaftskisteAn der angegebenen Stelle war nur eine Maschine. Aber was für eine. Auf dem ersten Blick sah sie aus wie eine überdimensionierte Baumaschine. Vorn war ein kleines Führerhaus. Davor war eine Art riesiger Trichter. Die Maschine fuhr auf Bäume zu, die Bäume wurde von dem Trichter „geschluckt“, unter dem Wagen waren einige Geräte, die den Waldboden abschabte und planierte, ganz hinten kam ein Teermasse aus dem Fahrzeug. Die Umwandlung von Holz in Teer geschah in einem riesigen Kasten, der hinter dem Führerhaus angebracht war.

Der asphaltierte Platz war inzwischen riesig.

Mario und Roter Büffel bewegten sich langsam auf die Maschine zu.

„Hier steht ‚Meier und Co, Braunschweig, Frankfurter Straße‘ dran“ rief Mario.

Cliff hatte inzwischen seine Gitarre umgehängt. „Magisch, hat er gesagt“ murmelte er. „Na ja, vielleicht klappt’s.“ Er begann ein Medley mit Lieder die Worte wie Stopp, Halt und so zu spielen. Die Wirkung war gering. Einmal tauchte für kurze Zeit eine Bushaltestelle auf.

Dann passierte etwas Merkwürdiges.

Der Rote Büffel war auf den vorn auf das Führerhaus gesprungen und streckte die Hände nach Mario auf. In diesem Moment sang Cliff: „Stop in the name of Love.“ Und alles stoppte. Der Wagen und auch Mario mitten im Sprung.

Cliff bemerkte das gar nicht, da er in sein Spiel versunken war. Frauke stieß ihn an. Seine Stirn krauste sich und er sang ein Wanderlied. Alles kam wieder in Be­wegung.

Mario erreichte das Führerhaus.

Resigniert sah Cliff seine Gitarre an und schüttelte den Kopf.

Mario rief etwas, was wir nicht verstanden. Wir näherten uns vorsichtig der Baumaschine.

„Wir haben Dich nicht verstanden!“

„Hier gibt’s nichts. Es scheint ferngesteuert zu sein.“

Da kam mir eine Idee. Ich nahm die Fernsehfernbedienung aus meiner Bade­manteltasche, richtete sie auf die Baumaschine und klickte darauf rum.

Tatsächlich stoppte die Maschine, das leise Brummen verstummte auch.

„Das ist,“ meinte Cliff, „scheinbar Dein magisches Instrument.

Die beiden Jungs waren inzwischen von der Maschine gestiegen. Nun stieg Frauke stieg hoch und untersuchte die Konsole. “Alles sehr futuristisch,„ rief sie.

Die Maschine fing wieder an zu brummen und Frauke  verließ sie schnell.

Ich drückte  den Knopf, den ich zuletzt gedrückt hatte und die Maschine ver­stummte wieder.

Der Rote Büffel hat sich inzwischen entfernt. Ein kleiner Weg führte westlich von der Lichtung. Auch er war asphaltiert. Er winkte und rief uns etwas zu.

„Er meint“ sagt Cliff, „wir sollten diesen Weg verfolgen.“

„Gute Idee,“ meinte Frauke.

Da wir keine anderen Vorschläge hatten, folgten wir dem roten Büffel, der das Gelände aufmerksam sondiert.

Wir trafen noch auf andere Baumaschinen, die sich – zumindest für eine ge­wisse Zeit – ausschalten ließen.

Von Zeit zu Zeit holte Mario den Plan heraus.

„Wir gehen in Richtung Irenes Felsen!“

„Wer mag nur diese Irene sein?“ murmelte ich vor mich hin.

Im Brief von Marios Tante Barbara war sie erwähnt. Die Tante war allem An­schein nicht gerade eine Freundin Irenes. Dagegen hatte der Gärtner erklärt, Irene habe wichtige Auskünfte für uns.

Sei es wie es sein. Dort war der Felsen. Als wir um eine Ecke bogen war er plötzlich da. Wir näherten uns vorsichtig.

Er war etwa fünfzig Meter hoch und hatte eine spitze Kegelform. Unten war der Durchmesser etwa 15 Meter.

Beim Näher kommen bemerkten wir das in etwa 8 Meter Höhe eine Art Rund­gang war. Oberhalb des Rundgangs war eine türmäßige Einbuchtung.

Der Felsen war bis zum Rundgang recht glatt.  Doch der Indianer machte sich gleich an den Aufstieg. Es schien für ihn mühelos zu sein. Oben stieß er einen Schrei des Triumphs aus und hob ein starkes Seil in die Höhe. Dann warf er es herunter.

Die Herren der Schöpfung gaben sich galant: „Die Damen zu erst!“ meinten sie im Chor.

Ich dachte daran, was ich unter meinem Bademantel trug, nämlich nichts. Trotz unseres Saunabesuchs erklärte ich als letzte hinauf zu wollen. „Damit ich auftauchende Baumaschinen aufhalten kann.“

Frauke hat sich schon des Seils bemächtigt, halb kletterte sie, halb wurde sie gezogen. Danach machte sich der Hippy an den Aufstieg.

In diesem Moment sah ich die Baumaschinen, sie waren zu dritt und näherten sich uns bedrohlich. Ich holte meine Fernbedienung  herauf und drückte, wie wild auf die Tasten und richtete sie nacheinander auf die Maschinen. Dann passierte etwas Merkwürdiges. Die Maschinen gingen aufeinander los.

Kurz danach ertönte Cliffs Stimme zur Gitarre. Ich überlegte einen Moment es war Barry McGuires „Eve of Destruction“. Ich hatte anscheinend den Jungen inspiriert. Ich wandte mich wieder den Baumaschinen zu. Diese waren nun völlig erstarrt.

Was sich später als völlig logisch herausstellte.

„Komm hoch“ riefen die anderen von oben. Der Lackaffe war bereits oben. Sportlich war er ja. Er ging zu der Einbuchtung, während die anderen mir hoch halfen.

„Hier ist eine kleine Einbuchtung, sieht aus wie ein Abdruck meines Ringes.“

Ich war fast oben. „Nicht!“ riefen wir vereint. Und ich rutschte einen halben Meter zurück. Doch der Nichtsnutz hatte schon den Ring an die Tür gedrückt. Unten bewegten sich die Baumaschinen wieder, allerdings in Richtung des Lackaffen.

Der stand plötzlich vor einer Öffnung im Felsen. Ich hatte es nun auch geschafft und näherte mich mit den anderen der Öffnung.

Die Baumaschinen machten sich an den Aufstieg auf den Felsen. Wie auch immer sie das schafften.

Panikartig drängten wir in die Öffnung. Als wir alle in der Höhle waren, verschloss eine Steinplatte den Eingang. Wir standen im Dunklen. Ich war zu­mindest leicht verängstigt, um nicht zu sagen, der Panik nahe. Ich rührte mich nicht von der Stelle. Die anderen schienen sich zu bewegen, denn ich hörte ihre Schritte und Flüche, wenn sie im Dunklen irgendwo anstießen.

Dann sah ich plötzlich einige Funken, dann ein Glimmen und schließlich eine Flamme. Der Algonquin stand plötzlich erleuchtet in der Halle. Ein Gruseln erfasste mich.

Weiter mit: Die „Pyramide“

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