Die „Pyramide“

Erzählt von: Roter Büffel

Heute wundere ich mich nicht mehr so über meine Gefährten. Doch damals war mir ihr Verhalten ein Rätsel.

Die Weißen, die ich bis zum Zeitpunkt meiner Ankunft auf der Lichtung kannte, waren völlig verschieden von den vieren, die jetzt mit mir in der Höhle waren.

Bei mir dauerte es einen Augenblick bis ich mich an die Dunkle Höhle gewöhnte. Sie war nicht völlig dunkel. Zumindest nicht für mich.

Cliff, der links von mir stand, bewegte sich als erster. Forsch trat er nach vorn und stieß gegen eine Wand. Er fluchte, hob die Arme und tastete nun die Wand ab.

Auch Frauke, rechts von mir stehend, war forsch, gleichzeitig energisch, stieß ebenfalls gegen eine Wand und tastete sich weiter. Die beiden anderen blieben angewurzelt stehen.

Ich behaupte nicht, dass ich das alles sah. Aber die Gesamtheit meiner Wahrnehmungen übermittelte mir dieses, wie sich herausstellte richtige Bild.

Der Gang teilte sich vor uns, das gewahrte ich deutlich. Cliff und Frauke waren gegen ein das die schräg nach vorn links bzw. rechts laufende Felswand gestoßen.

Mein Gefühl sagte mir, dass ich Cliff folgen sollte. Vielleicht, weil er der einzige war, den ich gut verstand und der mich verstand. Ich verstand zwar etwas deutsch, da auch ein paar deutsche Siedler auf Mannahattanink wohnten und die Sprache dem holländischen et­was ähnelte, aber sprechen konnte ich es so gut wie nicht.

Außerdem hatte ich das unbestimmte Gefühl, das Cliff auf etwas stoßen würde. Tat er auch, und zwar mit dem Fuß. Ich war schon bei ihm. Es war eine Truhe. Sie ließ sich ohne weiteres öffnen, Cliff fasste hinein und machte „Ieh“ und zog die Hand zurück. Da keine Gefahr von Truhe auszugehen schien, fasste ich auch hinein und an etwas Klebriges. Ich roch an meinen Fingern, fasste noch einmal hinein und holte etwas Klebriges heraus. Wie es schien hatte mein Geruchssinn mich nicht getäuscht. Das Klebrige war an Holz „befes­tigt“, an einer Stelle war „nacktes“ Holz. Ich holte Feuerstein und Zunder hervor und brachte die Fackel zum Brennen.

Kristina starrte mich vom Eingang her an, neben ihr versuchte Mario gelangweilt auszusehen.

Kristina rief: „Er hat eine Fackel!“

„Oh!“ hörte ich Frauke rufen, „Ich kann den Schein der Fackel sehen, vor und hinter mir. Die Gänge scheinen sich zu treffen.“

Cliff hatte sich gebückt: „Hier sind noch mehr Fackeln.“ Er nahm eine und steckte sie an meiner an. Kristina und Mario haste­ten auf uns zu. Auch sie nahmen Fackeln und setzten sie in Brand.

irene höhle gekeWir leuchteten den Gang aus. Hinter uns, in Richtung „Ausgang“ war eine Abzweigung, vor uns eine Art versetzte Kreuzung. Dort erschien von rechts Frauke.

Auch sie kam auf uns zu, holte sich eine Fackel und entzündete sie.

Kristina machte eine praktischen Vorschlag: „Wir sollten ein paar Ersatzfackeln mit­nehmen und die Höhle gemeinsam erkunden!“

Ohne zu zögern folgten wir ihrem Vorschlag. Dann durchsuchten wir die Höhle. Der Gang, der zwischen uns und dem Ausgang lag endete nach einer Linkskurve. Wir durch­suchten weitere Gänge, bis wir auf eine größere Höhle trafen.

„Hier steht etwas,“ sagte Cliff. „Es ist mit einem Edding geschrieben. Und wenn ich nicht wüsste, dass ich noch nie hier gewesen wäre, würde ich sagen ich hätte es geschrieben!“

„Dann hast Du aber eine Klaue. Ich kann es nicht entziffern!“ erklärte Frauke.

Irene Schrift neu„Hier steht,“ las Cliff vor, „Ring drehen wo die Höhle nicht weiter geht und Irene rufen. Und bringt nächstes Mal einen Edding mit und schreibt das hierhin. Jetzt macht das hier wer weg, damit es kein anderer liest.“

„Noch mal langsam,“ sagte Frauke, holte ein Stück Papier hervor und notierte alles.

Ich hatte nicht alles verstanden und Cliff übersetzte alles so gut er konnte.

„Weg machen?“ fragte ich in gebrochenem Deutsch.

„Aber wie?“ fragte Mario

Ich nahm die Fackel und schwärzte damit die Wand.

Uns war klar wo die Stelle war, an dem die Stelle nicht mehr weiter geht.

Dort stellten wir uns hin und riefen: „Irene!“

Wieder erschien dieser Schleier, vor uns türmte sich ein riesiger, in Terrassen unterteilter Kegel auf. In der Mitte führte eine Treppe hinauf.

Das ganze lag in einem diffusen Licht. Wir gingen zur Treppe und erklommen die Stufen zur ersten Terrasse. Die Ebene war etwa 10 m breit und war voller dichtem Unterholz und Mischwald. In der Mitte führte ein Pfad zur Treppe nach oben. Cliff schlenderte auf den Wald zu. Da kam Bewegung in einen der Bäume, der sich scheinbar in eine grün-graue Gestalt verwandelte.

„Ich kann Euch nicht ohne guten Grund in die Ebene der Schrate lassen,“ sagte die Gestalt, „auch wenn einer von Euch einen SYMFORTD-Ring trägt und Ihr alle Cybride seid. Aber keiner von Euch ist ein Illusionist Habt Ihr einen guten Grund.“

Wir waren alle viel zu viel verdattert, als das wir antworten konnten.

„Na also, dann ist ja alles klar,“ sagte der Waldschrat

– denn um einen solchen handelte es sich, wie wir später erfuhren –

und kehrte an seinen Platz zurück. Wir gingen weiter treppauf, dort erwartete uns eine Ebene ist voller Blumen, Gras und hohen Bäumen. Ein leichter Singsang ertönte.

„Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder,“ sagte Cliff und schritt in die Ebene hinein. Mario wollte Ihm folgen. Da trat eine hochgewachsene Gestalt mit spitzen Ohren hinter einem Baum hervor und sagte mit bestimmte Stimme: „Nur für Elfen und Zaubersänger, es sei denn Ihr habt einen guten Grund.“

„Unser Freund!“ meinte Mario und zeigte hinter Cliff her.

„Er wird zu Euch zurückkehren!“, sagte der Spitzohrige.

Die nächste Ebene war voller Büsche. Entschlossen betrat Frauke die Ebene, Kristina wollte hinterher und stolperte plötzlich. Hinter einem Gebüsch trat ein feixendes ca. einem Meter großes Männchen hervor: „Nur für Kobolde und Computermagiere! Sonst würden wir ein wenig Spaß mit Euch treiben!“

Mario erregte sich ein wenig: „Was soll dass heißen, Scherze treiben?“

„Das, mein Bester!“ Der Kobold hob seien Arme und zeigte mit allen zehn gespreizten Finger auf Marios grüne Tennistasche. Es entstieg der Tasche ein wenig Rauch. Mario sah panisch hinein. „Meine Schlüssel glühen!“ Wir traten zu ihm. Die Schlüssel sahen merk­würdig klein aus. Ich griff nach einem. „Völlig kalt!“ Das Glühen hatte auch aufgehört. Mario drehte sich um und brüllte: „Du verdammter…“

„Ruhig Brauner,“ sagte Kristina, „wer weiß was er sonst noch mit Dir anstellt.“ Sie sah aus, als würde es ihr Freude machen, wenn das geschehe.

„Lasst uns weiter ziehen!“ sagte ich, die anderen nickten, sie schienen meine Sprache zu verstehen. Erst jetzt wurde mir deutlich, dass auch ich jedes Wort, das gesprochen wurde, klar und deutlich verstand.

Die nächste Ebene war sehr heiß und von Gehörnten bewohnt. Wir machten gar nicht den Versuch, in die Ebene einzudringen und stiegen weiter hinauf zu einer Ebene, von der links und rechts ein Höhlengang abging. Hier verabschiedete sich Kristina, ein knapp 1 ½ m große Mann erklärte: „Nur für Zwerge und Elektromagiere!“

Wir durchquerten eine sumpfige Ebene mit Echsenmenschen und eine kühlen Walde­bene, in der Trolle hausten. In die Echsenebene wollten wir nicht, der Troll am Eingang er­klärte: „Ihr habt zu viel Magie an Euch, und einen Barbaren sehe ich auch nicht. Zieht ab!“

In der nächsten Ebene verabschiedet ich mich von Mario: „Wir sehen uns bald wieder, aber dies scheint meine Ebene zu sein.“

Ich betrat einen Wald voller Büsche und Bäume. Plötzlich waren in meinem Kopf mehre­re Stimmen: „Bleib stehen!“

Ich war verwirrt.

„Er will uns nichts tun,“ piepste eine Stimme in meinem Kopf „Er will nur zu Hexe!“

„Darum muss er doch nicht auf uns treten!“

„Lasst die Streitereien! Wir müssen ihn zur Hexe führen. Der Tänzer muss Zauber ler­nen. Du weißt, dass diese SYMFORTD-Gruppe wichtig ist.“

„Er hat noch keinen Ring!“

„Er wird einen kriegen, los jetzt!“

Die Stimmen in meinem Kopf schwiegen einen Moment, dann erhielt ich Befehle, die ich einfach befolgte.

Sie führt mich zu einem altem klapprigen Haus aus dem eine alte Frau trat: „Oh, da bist du ja, Roter Büffel. Die Wichtel haben Dich wohl her geführt?“

Das letzte klang zwar wie eine Frage, war wohl aber eher wie eine Feststellung.

Ich hatte allerdings eine Frage: „Woher kennst Du meinen Namen. Und wieso kannst Du meine Sprache sprechen.“

„Du siehst mich heute zum ersten Mal, wie?“ Auch darauf schien sie keine Antwort zu erwarten. „Ich kenne Dich schon sehr lange. Mein Name ist Marsha.“

Geschickt lenkt sie mich ins Haus, das innen gemütlich und schien größer zu sein als von außen.

Marsha fuhr im Plauderton fort: „Das wird Dir und Deinen Freunden noch öfter so ge­hen. Ihr werdet von Leuten angesprochen, die Euch kennen, die Ihr allerdings noch nie gesehen habt. Das ist so wenn man durch Zeit und Raum reist.“

„Diese Weißen sind nicht meine Freunde!“ stellte ich klar. „Und wieso durch Zeit und Raum reisen?“

„Das mit der Freundschaft kommt schon noch, glaube mir. Und Ihr seid auch schon durch Zeit und Raum gereist, sonst wärst Du nicht hier. Doch nun zu dem, was ich Dir beibringen kann, Mark.“

„Mark?“

„Hörst Du den Namen zu ersten Mal? Vielleicht habe ich Ihn der jetzt gegeben. Du wurdest in meiner Vergangenheit von allen so genannt.“ Sie kicherte vor sich hin. „Wie es auch sei, Mark, Du bist ein Zaubertänzer, das heißt, Du hast  Gene von Hexen in Dir. Ich werde Dir jetzt zeigen, was Du mit Tänzen, Kräutern und einige anderen Dingern alles an­stellen kannst. Na, alles noch nicht. Soviel zumindest wie Du vorerst brauchst und ver­stehen kannst. Du sollst ja noch mal wiederkommen, mein Süßer.“

Das was nun folgte, geht niemand außer Marsha und mir etwas an.

Weiter mit: Irene

Schreibe einen Kommentar