Irene

Erzählt von: Frauke Gesandt

Es gibt Leute, die behaupten, ich besäße einen eigenartigen Humor. Diese sollten einmal Tuk kennen lernen.

Es scheint lebensnotwendig für Kobolde zu sein, Scherze zu treiben. Sei es wie es sei, ich habe viel von Ihm gelernt.

Als er erklärte, es reiche vorläufig und ich müsse zu meinen Freunden zurück, war ich ein wenig traurig.

„Du kannst“ sagte Tuk, „jederzeit hierher zurück!“

In seiner Höhle, in der wir geübt hatten, öffnete sich ein flimmernder Gang.

„Kein Scherz?“ fragte ich vorsichtshalber, erhielt aber nur ein Grienen als Antwort. Was war von einem Kobold anders zu erwarten.

Ich betrat den Gang und war gleich darauf auf einer Steppenebene. Es schien die zweit oberste zu sein.

Sie verlief um ein Gebäude herum, zu dem eine Treppe führte. Allerdings endete diese an einer Tür.

Auf der Treppe saß Cliff und klimperte auf seiner Gitarre.

Vor ihm stand ein Einhorn.

„Du spielst nett, Süßer“ sagte das Einhorn lüstern.

„Ich dachte, Einhörner mögen nur Jungfrauen.“ meinte Cliff

„Oh ich bin nicht wählerisch. Männer, Frauen, Junge, Alter, Unerfahrene und Erfahrene, das ist mir eins!“ Das Einhorn nahm mich wahr: „Oh, eine schöne Frau.“ strahlte es mich an, „Mein Name ist Diothen. Wir wäre es mit einem kleinen Ausritt?“

„Ich stehe nicht auf bisexuelle Einhörner!“ sagte ich barscher als ich es vorhatte.

„Oh, da weißt du gar nicht, was Dir entgeht Süße!“ Die Stimme klang wahrhaft betörend.

Auf der Treppe sah man zwei Personen heraufkommen. Die erste war Kristina, dahinter schien Roter Büffel zu kommen.

Kristina, in ihrem roten Bademantel, machte Diothen nach eine Spur lüsterner. Es scharwenzelte um sie herum, bis Roter Büffel mit ein paar markigen Worten das Einhorn kurzfristig erschreckte.

„Oh, ein großer starker Mann!“ seufzte Diothen, „Und so aggressiv. Das wäre eine schöne Nach­mittagsbeschäftigung!“

„Wo bleibt nur Mario,“ fragte Cliff leicht genervt.

„Die Tür ist verschlossen. Es gibt aber eine Einbuchtung, in den sein Ring zu passen scheint.“

„Hier bin ich.“ Mario schwebte einen halben Meter über uns.

„Oh ein fliegender Blender“ lefzte Diothen. „Und was für ein schöner!“

Mario landete auf den Beinen, ging zu Diothen, krault es an den Ohren und sagte: „Leider habe ich keine Zeit für Dich. Ich habe zu tun.“

„Zu tun, zu tun! Und wer denkt an mich?“

Mario ging die Stufen hinauf, führte seinen Ring in die Einbuchtung und die Tür schwang auf.

Innen war ein kreisförmiger Raum. Er war über und über mit Bildschirmen und Pulten belegt. An den Pulten waren Tastaturen, verschiedenartige Schlitze, Buchsen und vieles mehr zu entdecken.

Auf den Bildschirmen sah man die Baumaschinen bei der Arbeit.

Eine leise weibliche Stimme sang:

„Schön ist es ein PC zu sein.

Ich bin Irene, doch keine Sirene!

Fahrn, fahrn, fahrn, auf der selbst gemachten Bahn“

‚Ein verrückter Computer‘, dachte ich.

„Das hab ich mitbekommen, wer war das?“ sagte die Frauenstimme.

‚Oh‘, dachte ich, ’sie kann Gedankenlesern‘

Kurz entschlossen nahm ich meine Diskette aus der Tasche und steckte sie in den nächsten Schlitz und drückte die Entertaste der nächstbesten Tastatur.

„Drrr brrh, krzrzubriie,“ machte die Stimme.

„Was hast Du getan,“ fragte Kristina entsetzt und wollte zur Tür hinaus, die sich vor ihr schloss.

„Ist schon prima, Kristina“ jubelte die Stimme

„Ich sammele mich, ich sammele mich!“

„Gleich bin ich wieder da!“

Gleichzeitig blinkten eine jede Menge kleiner Lampen auf den Borden.

„Jetzt bin ich wieder da!“ jubelte die Stimme.

„Guten Tag, Freunde. Danke, dass Ihr mir mal wieder geholfen habt.

Oh, ihr seid das erste Mal hier, entnehme ich Euren Gedanken!

Dann gibt es ja einige zu erzählen.

Aber zuerst einmal will ich auf Eden aufräumen.“

Die Stimme wurde von einem Surren abgelöst, die Baumaschinen verschwanden einer nach der anderen.

„Um den Rest soll sich der Gärtner kümmern. Oder? Na ja kann nichts schaden.

He mal alle her hören.“ Jetzt war die Stimme auch draußen zu hören. „Wer den Gärtner helfen will, Eden wieder in Ordnung zu bringen, sollte sich mit Ihm in Verbindung setzen!“

Sie schaltete die Stimme draußen wieder ab: „Doch nun zu Euch.“

Plötzlich materialisierte in Mitte des Raumes ein sehr attraktiver Mann und lächelte mich an.

„Nochmals vielen Dank!“ sagte der Mann. Es war eine männliche Stimme. Irgendwie war mir aber klar, um wem es sich handelte.

„Sie sehen aber sehr männlich aus, Irene!“ sagte ich deshalb.

„Wie männlich, ich find sie recht weiblich.“ erklärte Mario und Cliff stimmte ein: „Yeah, recht sexy die Alte.“

„Dann sieht anscheinend jeder etwas anderes.“ stellte Kristina sachlich fest.

„Und stört Euch das?“

„Nein,“ erklärte Kristina.

„Wenn Ihr dann noch so nett sein wolltet mich zu duzen. Ich bin nur ein Computer. Wenn auch der größte und älteste des Universum.“

„Ach, und wer hat Dich gebaut?“ fragte ich.

„Naja, so recht gebaut wurde ich nicht. Das heißt ein kleiner Teil von mir wurde, bzw. wird noch gebaut. Und dann habe ich mich weiter entwickelt, zum Teil mit Eurer Hilfe.“

„Kannst Du das näher erklären.“

„Nein, das würde Euch Informationen über Eure Zukunft geben. Das wäre nicht gut für Euch, für die Erde, das Universum und den ganzen Rest.

Aber einiges kann ich Euch schon noch sagen.

Ich bin ja eigentlich neutral, erwarte aber, dass man mich nicht für seine eigenen Interessen miss­braucht. Das haben die EOD gerade aber getan.“

„EOD?“

„Eve of Destruction! Und ich habe den Geflügelten noch zur Gründung der EOD geraten!“

„Warum?“

„Ich bin gefragt wurden!“

„Antwortest Du auf alle Fragen?“

„Auf die richtigen Fragen schon. Ihr seid auch ein Ergebnis einer Frage. Die Zweifelhaften baten mich um Hilfe. Ich erklärte Ihnen, sie sollten eine Organisation von kleinen Abenteurergruppen gründen. Ihr seid eine solche Gruppe, wahrscheinlich die wichtigste.

Doch nun müsst Ihr weiter. Ich weiß auch schon wohin.

Frauke, Du hast bereits ein Geschenk von mir erhalten, das Pet-Ki. Die Rellmeyers haben es Dir geschickt. Das mit der Testphase war ein kleiner Scherz. Ich werde darüber Aufträge und Botschaften vermitteln.

„Aufträge, Botschaften?“

Und hier sind die ersten Botschaften. Tschüss denn.“

Ich holte das Pet-Ki heraus und sah des ein kleinen Bildschirm hatte. Als ich drauf schaue wurde der Bildschirm größer.

Ich starrte auf den sich vergrößernden Bildschirm und merkte gar nicht dass sich ein grauer Schleier um uns legte und dann wieder verschwand.

Weiter mit: Ein schwarzer Mann in weiß

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