Katze – Löwe – Esel

holland-intro

Das Schichtbuch 1979, Seite 90

Herrmann Bothe – der Zollschreiber – hatte die Angewohnheit beim Schreiben laut mitzusprechen. Ich saß wie oft am Fenster und lauschte. Da ging mir folgendes durch den Kopf:

Was will der Zollschreiber mit seinen tierischen Anspielungen. Weiß er etwas über uns / mich?

Wenn ja, warum meint er eine Katze würde des Königs Stuhl einnehmen?

Und was soll der Vergleich zwischen Löwen und Katze?

Hier in Braunschweig gilt ja der Löwe etwas. Der Sage hat Heinrich der Löwe einen Löwen mit nach Braunschweig gebracht. Und der Teufel habe ihn dabei geholfen.

Der Teufel. Wenn die Leute wüßten.

Tatsächlich hat Drori ihm geholfen. Er ist der einzige von uns, der sich hier oben in unserer wahren Gestalt ohne Schaden aufhalten kann.

So ist er mit dem Löwen und Heinrich hergeflogen. Aber das kann jemand anderes erzählen.

Nur soviel. Dem Löwen war es hier zu kalt, selbst in der Löwengestalt.

„Strolch“ sagte er zu mir, „ich geh nach unten und dann zurück nach Afrika. Du hast hier ja alles im Griff.“ Er kratzte noch ein wenig am Dom herum und verschwand.

Als Esel war, soweit ich weiß, keiner von uns hier.

Aber vielleicht sind die Gleichnisse des Zollschreibers nur Zufall und er weiß nichts über mich / uns.

Als die Ereignisse, die der Zollschreiber aufschrieb stattfand, war ich gerade unten im Warmen

Der Gärtner war etwas ungehalten.

„Was machst Du hier, Strolch? Oben in Braunschweig gärt es. Du musst alles beobachten. Außerdem geht’s um Hedwig.“

„Aber Caro ist doch oben!“

„Ja! Daher wissen von den Unruhen. Du bist aber der Verantwortliche für Braunschweig! Ab nach oben!“

„Und wer ist Hedwig?“

„Eine junge weiße Hexe. Sie wird von den grauen und den schwarzen Magiern umworben. Wir brauchen sie dringend bei den Grauen. Draußen im Gürtel!“

Der Gärtner wusste mehr als er sagte. Und wenn er etwas sagte, war es sehr geheimnisvoll. Er berief sich öfter auf eine Irene. Die schien sehr viel zu wissen.

Ich materialisierte nahe der Elle bei der Eingangstür zum Altstadtrathaus., die auch der Zollschreiber benutzte.

Keiner beachtete mich. Ein kleines struppiges Etwas am Boden kann man ja mal übersehen. Und wenn man es plötzlich sah, war man überzeugt, dass es schon vorher dagewesen war. Nur Eingeweihte glauben, dass jemand plötzlich erscheinen kann.

Ein großes Stimmengewirr erwartete mich. Die Bürger standen in Gruppen auf dem Altstadtmarkt herum und stritten.

Die einen meinten die Hildesheimer seien undankbar. Man habe Ihnen doch geholfen, wenn auch nicht militärisch.

(Siehe „Hildesheimer Fehde“ unter Quellen)

„Wie kann man uns da ‚Wendehoiken’ nennen!“

Andere wandten sich gegen die Burgemeister:

„Man hätte den Hildesheimern gar nicht helfen müssen!“

Und unkend:

„Ich wette, dass wird uns noch allen teuer zu stehen kommen!“

Ich sah viele Bekannte unter den Versammelten. Von einigen hatte ich erwartet, dass sie hier waren und die Stimmung anheizten: Schwarze Magier und EODisten. Aber Winfried? Er war Reykianer. Zurzeit nannte er sich Widdeke Detleffs, ein Gemeiner aus der Altstadt. Er war als Detleffs so eine Art Schiedsrichter. Die Reykianer haben ungefähr dieselben Ziel wie wir. Ihre genauen Ziele sind etwas nebulös, was zu uns Misstrauen veranlasste.

Die Stimmung war aufgeheizt,

aber nicht so fröhlich wie heutzutage beim Schoduvel.

Caro flatterte heran.

„In den anderen Weichbildern ist es ähnlich, nur im Altewiek ist es ruhiger.“

Es wurde Zeit, mir einen Übersicht zu verschaffen.

Ich hielt es für richtig zunächst einen alten Fernhandelsweg Richtung Kohlmarkt zu folgen.

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